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© Schwäbische Post 9.7.2005 VON ANKE SCHWÖRER-HAAG

KLINIK FÜR PSYCHOSOMATIK / Vortrag über Traumatherapie

Momente der Freude

Aus heiterem Himmel kann jeder Mensch in Situationen kommen, in denen er sich hilflos, ohnmächtig, verzweifelt fühlt - die Körper und Seele verletzen. Etwa ein Drittel der Betroffenen brauchen nach Katastrophen, Unfällen oder Überfällen ärztliche Hilfe. Sie sind schwer traumatisiert. Anerkannte Expertin auf diesem Gebiet ist Dr. Luise Reddemann. Sie kommt am Mittwoch als Referentin ins Bildungszentrum am Ostalbklinikum

"Imagination als heilsame Kraft", heißt ihr Vortragsthema. Und so heißt auch ein Buch von Luise Reddemann, das zwischenzeitlich in der zehnten Auflage gedruckt worden ist - also ganz offensichtlich reißenden Absatz findet. Die Psychiaterin und Fachärztin für Psychotherapie beschreibt darin das Konzept zur Behandlung von Menschen mit Traumastörungen, das sie als Chefärztin der psychosomatischen Klinik in Bielefeld mit ihrem Team entwickelt hat. "Wir haben erkannt, dass die Menschen erst innerlich stabilisiert werden müssen, ehe sie sich mit dem schlimmen Erlebnis auseinandersetzen können. Wenn man sich ungeschützt und ohne innere Stärke mit alten Verletzungen beschäftigt, wirken diese so überwältigend, dass es dem Betroffenen schlechter geht."

Erfahrungsgemäß liege das Heil in der Selbstheilungskraft. Diese wird mit ärztlicher Unterstützung gefördert. Über Vorstellungen (Imagination) übt der Mensch die Freudefähigkeit und kann damit das Gleichgewicht zwischen Momenten der Freude und Momenten der Trauer herstellen.

Luise Reddemann schreibt nicht nur leicht verständliche Bücher - die gebürtige Aalenerin redet auch so. Ihr Vortrag am Mittwoch, 13. Juli, im Bildungszentrum am Ostalbklinikum beginnt um 19.30 Uhr und ist interessant für alle Menschen, die ihre Selbstheilungskräfte stärken wollen.


Schwäbische Post 27.03.2004 VON ANKE SCHWÖRER-HAAG

OSTALBKLINIKUM / Umfrage-Ergebnisse ermutigen zum Weitermachen

86 Prozent: Trauma-Ambulanz wichtig

Wünschenswert? Keine Frage. Dass sich viele wünschen, es könnte mehr getan werden, für Patienten mit Trauma-Erfahrung, damit hatte Dr. Askan Hendrischke gerechnet. Dass aber 86 Prozent der Experten eine Trauma-Ambulanz für notwendig halten, das hätte der Chefarzt nicht erwartet. ...

Ganz anders als der Laie zunächst vermutet: Trauma hat nichts mit Traum zu tun, sondern mit Verletzung. Ganz besonders mit einer Verletzung der Seele. Traumatisiert sind Menschen, die einen Unfall oder extreme Gewalt erlebt haben - vor allem sexuelle Gewalt. Traumatisiert sind oft auch Menschen, die als Rettungskräfte oder Zeugen schwere Krisen miterleben mussten. Etwa 15 bis 20 Prozent können mit diesen Verletzungen nicht alleine zurecht kommen. "Sie brauchen auch nach der Akutversorgung Ansprechpartner, die sich professionell um sie kümmern können", sagt Dr. Askan Hendrischke und baut deshalb seit rund einem Jahr an einem Netzwerk für eine Trauma-Ambulanz (wir berichteten).

Jüngster Knoten in diesem Netz ist die Auswertung der Umfrage unter Experten - niedergelassene und klinisch tätige Ärzte, psychologische Psychotherapeuten, Mitarbeiter von Beratungseinrichtungen, Notfalldiensten oder Polizei. Positiv überrascht sind die Initiatoren vom Team der Klinik für Psychosomatik am Ostalbklinikum schon über den hohen Rücklauf. Immerhin 65 Prozent der Fragebogen kamen ausgefüllt zurück. Nicht erwartet hatten sie, dass 86 Prozent der Befragten ankreuzen, eine Trauma-Ambulanz am Ostalbklinikum sei dringend notwendig (35 Prozent) oder notwendig, (51 Prozent).

Diese Zahlen im Gepäck hoffen Landkreisverwaltung, Ostalbklinikum und das Team von der Klinik für Psychosomatik nun, dass auch die Geldgeber aufgeschlossen reagieren. "Wir wissen jetzt, dass der Gedanke richtig ist. Jetzt brauchen wir Umsetzer", sagt Landrat Klaus Pavel. Angestrebt wird der formale Status "Instituts-Ambulanz" - das heißt: kassenärztliche Vereinigung und Krankenkassen müssten einen Vertrag mit dem Ostalbklinikum schließen und den finanziellen Rahmen aushandeln für die Trauma-Ambulanz. Klinikdirektor Axel Janischowski beschreibt deren Funktion als Zentrum im Netzwerk der kurzen Wege. Polizei, Notfalldienste, Mediziner und natürlich die Patienten hätten einen direkten Ansprechpartner. Der Umzug des Versorgungsamtes von Ulm nach Aalen - ins medizinische Dienstleistungszentrum am Ostalbklinikum - könnte schnelle Lösungen begünstigen. Auch das wäre im doppelten Sinn von Vorteil - für die Patienten, die seltener chronische Störungsbilder bekämen, und für die Kassen, weil schnelle Hilfe weniger kostet. Dr. Askan Hendrischke rechnet nach Erfahrungen in anderen Bundesländern damit, dass fünf bis 15 Stunden pro Patient ausreichen für Akutversorgung, Krisenintervention, Stabilisierung, Beratung und gegebenenfalls eine Weitervermittlung.


Schwäbische Post 16.12.2003 VON ANKE SCHWÖRER-HAAG

Eine Trauma-Ambulanz im Visier - Runder Tisch mit Entscheidungsträgern brachte positive Resonanz

Trampelpfad darf nicht Autobahn werden

"Trauma" - eigentlich klingt dieses Wort sympathisch, weil es den Normalbürger erstmal ans Träumen erinnert. Mediziner dagegen wissen: Das "Trauma" ist eher ein Alptraum, denn es steht in der Fachsprache für eine seelische oder körperliche Verwundung. "In beiden Fällen sollte früh behandelt werden", sagt Dr. Askan Hendrischke und kämpft für eine Trauma-Ambulanz am Ostalbklinikum.

"Jeder Mensch kann unerwartet Opfer oder Zeuge von schweren Unfällen, von Gewalt, von Naturkatastrophen oder von unerwarteten Verlust-Erfahrungen werden", erklärt Hendrischke. Solche Dramen traumatisieren, hinterlassen Spuren auf der Seele. Die meisten Menschen tragen schwer an den Gefühlen von tiefgreifender Verzweiflung, Hilflosigkeit, Ohnmacht und Verlust der Kontrolle.

Um die Folgen abzumildern, eine Entwicklung ins Chronische zu vermeiden, sei ein rasches diagnostisches und therapeutisches Eingreifen wichtig. "Es muss im Ostalbkreis eine Stelle geben, an die sich Opfer, Helfer oder Zeugen wenden können, wenn sie auch vier Wochen nach der Katastrophe noch geplagt werden von Schlafstörungen, Alpträumen, Angstzuständen, Depressionen oder Erinnerungen", sagt der Chefarzt der psychosomatischen Abteilung am Ostalbklinikum. Und er erklärt: Je länger ein Mensch sich mit einem Gedanken oder einer Erinnerung herumschlage, um so breiter und tiefer wird die Spur, die der Vorfall im Gehirn hinterlässt. Die "Trampelpfade der Erinnerung werden zu Autobahnen", das Leben immer mehr von dem Ereignis geprägt.

Je besser das Angebot in der Früh- und Erstversorgung ist, desto schmaler lasse sich der Trampelpfad halten, wirbt der Mediziner für eine offizielle Anlaufstelle. Denn es gibt auch schon positive Erfahrungen: Für fast ein Drittel aller Opfer, Zeugen oder Helfer war die Trauma-Ambulanz am Uniklinikum in Aachen der rettende Notnagel - zum Beispiel für den Lokführer, vor dessen Zug sich ein Selbstmörder geworfen hatte; oder für den Fahrer, der die Schrecksekunde des Unfalls wieder und wieder erlebt und seitdem nicht nur das Autofahren meidet.

Solche Fälle stellte Dr. Guido Flatten, der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Psychotraumatologie, beim ersten Round-Table-Gespräch zum Thema Trauma-Ambulanz in Aalen vor. 35 Repräsentanten - vom Polizeidirektor über den Kreisfeuerwehrkommandanten bis zum Unfallchirurgen, von der Frauenhausleiterin über den Rot-Kreuz-Geschäftsführer bis zum Chef des Gesundheitsamtes, vom Psychiater über die Opferberaterin bis zum Sozialdezernenten des Ostalbkreises lauschten dem mit praktischen Beispielen untermauerten Vortrag des Mediziners, der an der Aachener Uniklinik die Trauma-Ambulanz aufgebaut hat. Vielen Menschen helfe der Alltag, das Sprechen mit vertrauten Menschen, ein Sich-verstanden Fühlen, erklärt Dr. Askan Hendrischke später zusammenfassend. Dass die Bilder des Grauens anfangs immer wieder kommen, sei völlig normal. Normal auch, dass diese Erinnerung nach und nach verblasse. Aber die Zeit allein heilt eben nicht bei allen die Wunden. Etwa ein Viertel bis ein Drittel der Betroffenen spüre, dass sie alleine nicht zurecht kommen. Sie brauchen professionelle Begleitung, fachpsychotherapeutische Hilfe. Und so lange es auf der Ostalb Wartezeiten von sechs bis neun Monaten gebe für jene, die einen Facharzt brauchen. So lange es obendrein Monate dauere, bis ein Betroffener als Opfer anerkannt ist, sei das Risiko, chronisch krank zu werden, hoch - die Folgekosten auch. Lösung für Hendrischke: Das Ostalbklinikum müsste von der kassenärztlichen Vereinigung eine Ermächtigung als Instituts-Ambulanz bekommen.

"Ziemlich überzeugend", nennt Polizeidirektor Gerhard Wiest als einer der Teilnehmer am Round-Table-Gespräch, die Idee einer Trauma-Ambulanz. Eine solche Begleitung sei Teil der Opferfürsorge, die sich nicht nur um die leiblichen Schmerzen eines Betroffenen kümmern dürfe.

Solch positive Resonanz hat Klinikdirektor Axel Janischowski am Ende des Runden Tisches von vielen Seiten bekommen. "So etwas wie in Aachen brauchen wir", fasst er die Meinung der Teilnehmer zusammen. Das Ostalbklinikum werde den Ball aufnehmen und weiterarbeiten am Konzept, verspricht er und weiß auch: "Es gibt noch viel zu tun, bis das Netz geknüpft ist."

Klinik für Psychosomatik und Psychotherapeutische Medizin
am Ostalb-Klinikum Aalen
aktualisiert am 11.07.2005